1. Dezember 2005


Der Adventskalender an sich

Die meisten von uns erinnern sich sicherlich noch an ihre Kindertage, wo in weihnachtlicher Vorfreude ab dem 1. Dezember jeweils ein Türchen des Adventskalenders geöffnet werden durfte. Ob mit viel Liebe selbst gestaltet oder einfach im Supermarkt gekauft – auch bei allen dem Kindesalter entwachsenen Menschen weckt das Öffnen der geheimnisvollen Türchen Gefühle der Vorfreude und Erwartung. Endlich zu wissen, welche kulinarische oder praktische Köstlichkeit sich hinter dem Verschlag befindet!

Auch das LernRadio bietet solche Leckerbissen – selbstverständlich auch im Radio-Format. Sie haben gerade auf eins geklickt.

Doch woher kommt eigentlich diese Tradition mit dem Adventskalender?

Es begab sich zu einer Zeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts nach der Geburt Jesu Christi, als strenggläubige prostestantische Familien im Dezember nach und nach 24 Bilder an ihre Wände hingen. Darauf befanden sich die schönsten weihnachtlichen Motive, die aufzutreiben waren. Sparsamere Familien nutzten ihre Wände um dort Kreidestriche anzubringen. Von diesen durften die Knaben und Mädchen jeden Tag genau einen entfernen und so neben dem Training ihrer mathematischen Fähigkeiten auch an der freudigen Erwartung der Weihnacht teilhaben. Erst um die 20. Jahrhundertwende veröffentlichte der emsige aus dem schwäbischen Maulbronn stammenden Pfarrerssohn Gerhard Lang den ersten in größeren Stückzahlen gedruckten Adventskalender. Seine Mutter zeichnete 24 Kästchen auf einen Karton - auf jedes war ein sogenanntes "Wibele" genäht. Von diesen Kindheitserlebnissen geprägt blieb Lang nichts anderes übrig, als einen Verlag für Adventskalender zu gründen. Allerdings verzichtete er auf die Gebäckstücke und ersetzte sie durch farbenprächtige Zeichnungen, die ausgeschnitten und auf einen Pappkarton geklebt wurden. Im Jahre 1908 verließ das erste Produkt die Druckerei, noch unter dem Namen „Weihnachts-Kalender“. Seit etwa 1920 kamen dann die ersten Adventskalender moderner Prägung auf den Markt mit ihren Türchen zum Öffnen. Noch zierten traditionelle fromme Sprüche den Inhalt der Kästchen. Erst 1958, als die Bundesrepublik Deutschland anfing sich als Wirtschaftswunderland zu definieren, erschienen die ersten Kalender mit Wohlstands-Schokoladen-Einlage.

Sie haben noch keinen Adventskalender? Dann aber fluchs ab in den Supermarkt – oder noch schnell bei Ebay ersteigern. Oder sie versuchen es mal mit der eigenen Kreativität.

 

 


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Von Jan Ritterstaedt