4. Dezember 2005


A day at the Bondi Beach

Die frische Brise, die vom Meer herüberweht, macht die Mittagshitze von fast 35 Grad Celsius erträglicher. Im Wasser tummeln sich Kinder, die ihre neuen Surfbretter ausprobieren. Die Erwachsenen halten sich da eher an die mitgebrachten Picknickkörbe; er gilt, das vorher gegrillte Essen und das Erdbeer-Dessert vor dem umherfliegenden Sand zu bewahren. Leider spendet der mitgebrachte Gummi- Weihnachtsbaum nicht sehr viel Schatten.

Doch zur Not kann man sich ja auch von dem Kerl in roter Badehose und weißem Nylonbart abkühlen lassen, der immer wieder auf seinen Wasserskiern entlang saust. Es ist schon schwer, in eine besinnliche Stimmung zu verfallen, wenn Weihnachten und Sommerferien zusammentreffen. So wie in Australien.

Doch nicht nur die warme Jahreszeit bestimmt die Art und Weise, wie in Down Under Weihnachten gefeiert wird. Auch einige Einwanderergruppen haben liebgewordene Traditionen dazu beigesteuert. Der Christbaum stammt von deutschen Einwanderern, die Form der Bescherung und das Festtagsmenü aus Putenbraten und Plumpudding kommt aus England und die oft protzige Lichterdekoration an den Häusern wurde von den Amerikanern abgeschaut.

Weitaus reizvoller sind allerdings die typisch australischen Weihnachtsbräuche, wie beispielsweise die "Carols by candlelight". Dabei richten sich die Leute einen Korb mit Essen her, kaufen sich Kerzen und setzten sich an bestimmten Plätzen, wie z.B. in Sydney am Dalin Harbour, auf die mitgebrachten Decken. In der Abenddämmerung findet dann eine besondere Art von Konzert statt. Auf dem Programm stehen bekannte Weihnachtslieder, die sogenannten "Carols", die die ortsansässigen Sinfonieorchester zusammen mit bekannten Gesangstars und anderen Solisten vortragen. Wer vom Publikum will, kann mitsingen; und wer den englischen Text nicht kennt, der tut es eben in einer anderen Sprache.

Australische Weihnachten bieten somit für jeden etwas: man kann sich an die bekannten Bräuche halten, eine neue Form von Weihnachtstradition ausprobieren, oder alles sein lassen und über die ganzen Feiertage einfach mal im Outback untertauchen. Sicher ist jedenfalls, dass gewisse eher lästige Begleiterscheinungen der europäischen Weihnachtszeit hier eher selten vorkommen. Eine Erkältung dürften höchstens die Teilnehmer der traditionellen Regatta von Sydney nach Hobart bekommen, die immer am 2. Weihnachtsfeiertag stattfindet; und das auch nur, wenn Wind und Wasser die Teilnehmer schneller abkühlen, als die Mittagshitze sie wieder trocken kriegen kann.

Vielleicht hat der ein oder andere jetzt Lust bekommen, Weihnachten nächstes Jahr mal woanders zu verbringen. Wer adventliche Besinnlichkeit und Ruhe sucht, kann sie ja schließlich auch am Bondi Beach finden.

Man kann ja einfach warten, bis der Weihnachtsmann auf den Wasserskiern wieder weg ist ...


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Von Agnes Zagozdzon