23. Dezember

 

Geburt Christi

Dies ist ein Bild des Malers Konrad von Soest.
Es ist ein Tafelbild vom Flügelaltar in der Stadtkirche in Bad Wildungen und stammt aus dem Jahr 1403. Es zeigt die Geburt Christi. Ein paar Dinge fallen besonders auf: Das Bild ist mit einer geflochtenen Wand in zwei Hälften geteilt. Hinter der Wand wird das Geschehen von den Holzbalken des Stalls wiederum in drei Segmente geteilt. In der Mitte sind Ochs und Esel, die auf fast allen Bildern der Geburt Christi dabei sind, obwohl sie nicht in dem bekannten Text aus dem Lukas-Evangelium vorkommen. Sie werden als Vertreter des Juden- und Heidentums gedeutet. Oben rechts erscheint ein Engel dem geblendeten Hirten. Hinter der Muttergottes sind betende und vielleicht singende Engel zu erkennen. Das Wichtigste, das Jesuskind, ist nicht im Bildzentrum, sondern am linken Bildrand positioniert. Die Inszenierung des Heiligen erfolgt durch die große rote Decke, die Heiligenscheine und den Dachgiebel über Marias Kopf. Das Christkind liegt nicht in Windeln gewickelt in einer Krippe, nein, die Krippe in der Bildmitte ist leer.
Hier vereinigen sich die zentralen Elemente des christlichen Glaubens, denen auch im Glaubensbekenntnis Ausdruck verliehen wird: Mariae Empfängnis, die Fleischwerdung Christi und die Auferstehung Christi. Der Krug rechts unten in der Ecke erinnert daran, dass Maria nach der Empfängnis des heiligen Geistes und nach der Geburt immer noch Jungfrau ist, sie ist unbefleckt und unversehrt. Der verdeckte Krug kann auch für das verschlossene Grab nach Christi Auferstehung stehen. Die leere Krippe wird ebenfalls als Sinnbild des leeren Grabes nach der Auferstehung gedeutet. Und womöglich ist auch deshalb das Dach über der Krippe defekt.
Eng schmiegt sich das Kind an die Mutter. Das innige Verhältnis zwischen Mutter und Sohn soll die natürliche und menschliche Beziehung zwischen den beiden ausdrücken. Viel auffälliger jedoch ist der kauernde Josef, der im Vordergrund das Feuer anbläst und kocht. Der Suppe oder Brei kochende heilige Josef ist ein beliebtes Genremotiv auf Geburt Christi-Darstellungen. Da Josef nicht der richtige Vater ist, sondern „nur“ der Nährvater, muss er seine Adoption dadurch befestigen, dass er das Kind ernähren kann. Was wohl in seinem Kopf vorgehen mag?

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Von Almut Ochsmann

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