4. Dezember


Foto: Allie Caulfield, Lizenz

Am Tag von Sankt Barbara

Am Tage von Sankt Barbara,
da geht das Jahr zur Neige.

Dann trag ins Haus von fern und nah,
die kahlen Kirchbaumzweige.

Am Tage von Sankt Barbara
stell Zweige in die Zimmer.

Dann lacht zur Weihnacht, hier und da,
ein weißer Blütenschimmer.

James Krüss

 

Die Statue einer schönen, jungen Frau, in deren Nähe sich meist das Abbild eines Turmes befindet. In vielen deutschen Ortschaften und Kirchen ist sie zu finden, die heilige Barbara. Der Legende nach soll die christliche Märtyrerin Ende des 3. Jahrhunderts in Nikomedia  oder Heliopolis (einer Stadt im heutigen Libanon) gelebt und gewirkt haben.

Überlieferungen zufolge ließ ihr Vater sie ihrer außergewöhnlichen Schönheit und Geistesschärfe wegen in einen Turm sperren, da er seine Tochter als Bedrohung ansah. Zudem fürchtete er, Barbara könne sich dem Christentum anschließen, das zur damaligen Zeit immer mehr Anhänger fand. Als sich Barbara jedoch heimlich taufen ließ und offen zum Christentum bekannte, wollte ihr heidnischer Vater sie erschlagen lassen. Barbara floh und fand Schutz in einem versteckten Felsvorsprung. Ein Hirte soll sie jedoch verraten und an ihren blutrünstigen Vater ausgeliefert haben, der sie grausam misshandeln und einsperren ließ. Trotz aller Strapazen bekannte sich Barbara weiter zum christlichen Glauben, sodass sie schließlich von ihrem Vater eigenhändig enthauptet wurde.

Der Tag von Sankt Barbara wird auch heute noch in zahlreichen Volksbräuchen feierlich begangen. Am 04. Dezember werden Zweige von Apfel- oder Kirschbäumen abgeschnitten und in der warmen Stube ins Wasser gestellt. Erstrahlt der Strauß am Weihnachtsfest in weißer Blütenpracht, so wird dies als gutes Zeichen für die Zukunft gesehen. In den ländlichen Gegenden werden zudem anhand der Blütezahl Voraussagen über die Fruchtbarkeit des kommenden Jahres gemacht.

Der Brauch, sich einen Blütenzweig in vorweihnachtlicher Zeit ins Zimmer zu stellen, geht auf Barbaras Gefangenschaft zurück. Auf dem Weg zum Verließ habe sich ein Zweig in ihrem Umhang verfangen, den sie in ihrer Zelle in einen Wasserkrug gestellt haben soll. Am Tag ihrer Hinrichtung erstrahlte der Zweig in voller Blüte und habe Barbara damit in ihrem Glauben und ihrer Zuversicht bestärkt.

Die Barbara-Zweige gelten in Altbayern, Schwaben und dem protestantischen Franken als Vorläufer des Weihnachtsbaumes, der heutzutage weltweit unzählige Wohnzimmer in den Weihnachtstagen festlich schmückt.

In Wien und Niederösterreich wird am 04. Dezember ein richtiger Barbara-Familienstrauß gebastelt: jeder Zweig wird mit dem Namen eines Familienmitglieds versehen und anhand der Blütenzahl am Weihnachtstag festgemacht, wer das meiste Glück im neuen Jahr haben werde. Das sogenannte „Bärbeltreiben“ ist fester Bestandteil im Allgäuer Volksbrauchtum. Junge Frauen verkleiden sich am Tag von Sankt Barbara als alte Weiber. Mit Ruten und Glöckchen bestückt, ziehen sie lärmend durch die Dörfer, um Unanständiges mit Geklingel und Geläute lautstark zu vertreiben und vom festlichen Aufruhr angelockte Kinder mit Süßigkeiten zu beschenken.

Das Schenken an Sankt Barbara ist zudem im Rheinland seit Anfang des 20. Jahrhunderts Brauchtum. Die Kinder stellen am Abend des 03. Dezember einen Schuh vor die Tür, um diesen am nächsten Tag mit allerlei süßen Köstlichkeiten gefüllt vorzufinden. Somit ist der Barbaratag ebenso ein kleiner Vorgeschmack auf den weitaus bekannteren Tag von Sankt Nikolaus am 06. Dezember. In einigen Gegenden gilt die heilige Barbara zudem als Begleiterin und Gehilfen des mit Nüssen und Naschereien beladenen Nikolaus.

 

 

 

Von Tabea Süßmuth

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