4. Dezember

Advent

 

Weihnachten mit Elefanten, Massai-Kriegern und 35 Grad im Schatten

Abenteuerliche Weihnachten im Tarangire-Nationalpark. Unsere Autorin Charlotte Oelschlegel berichtet über ihr etwas anderes Weihnachtsfest in Tansania.

 

 

 

 

 

Es ist der Morgen des 24. Dezember. An meiner Arbeitsstelle, einem Internat in Ostafrika ist Ruhe eingekehrt. Die Lehrer und Schüler sind schon seit einigen Wochen in die Ferien gegangen. Mit den ersten Sonnenstrahlen erwacht das kleine Dorf Kisangara in den hügeligen Bergen Tansanias zum Leben. Die Frauen fangen an Ihre bunten Stoffe zu waschen, Kindergeschrei schallt durch die staubigen Gassen und einige junge Männer schieben ihre Motorroller vor die Türen der Lehmhütten und fangen an die Felgen zu polieren. Verschlafen mache ich mich auf den Weg zum nahegelegenen Shop um für das Frühstück einzukaufen. Nur hier hängt ein kleines Plakat mit der Aufschrift: Merry Christmas. Ein Werbegeschenk von Coca Cola. Das einzige weihnachtliche Zeichen im ganzen Dorf!

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Einkauf am Weihnachtsmorgen in Mama Liebes Shop (links: Verkaufsraum)

 

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(rechts: Außenbereich)

Beim Frühstück zünden meine Mutter und meine Tante die über die Ferien zu Besuch sind eine Kerze an. Es gibt Christstollen aus Deutschland mit Papayas und Mangos. Afrikanisch – Deutsche Weihnachten eben! Nach dem Essen packen wir unsere Rucksäcke und bereiten uns auf eine Reise in Tansanias Nationalparks vor. Unser Guide Michael holt uns in einem großen Jeep ab und wir holpern los.

 

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Die Tansanier am Straßenrand sind bestens für deutsche Touristen ausgerüstet. „Angela Merkel Wilkommen"

 

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Mit der Zeit fahren wir in ein belebteres Gebiet. Vor uns liegt Arusha, eine der größten Städte Tansanias. Für mich ist es ein ungewohntes Bild. Vor allem die großen Hochhäuser und die vielen Autos irritieren mich. Plötzlich sehe ich auch einige weiße Menschen. Ziemlich schockierend, schließlich habe ich seit Wochen keine anderen Weißen mehr gesehen. Hauptsächlich sind es Touristen, aber auch Europäer die in Arusha leben und arbeiten. Mit ihnen kommen auch die westlichen Weihnachtstraditionen in die Stadt. Man sieht viele Plastikweihnachtsmänner vor den Supermärkten oder falsche Tannenbäume vor den Häusern stehen. Und das alles bei 35 Grad! Einige Stunden später kommen wir im Nationalpark an. Normalerweise würde ich mich jetzt mit meiner Familie in der Dämmerung zum Gottesdienst in die Kirche aufmachen. Stattdessen sitze ich bei einer brütenden Hitze in einem großen, dunkelgrünen Jeep.

 

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An unserem Jeep spaziert eine Elefantenfamilie vorbei, wir werden misstrauisch von einer jungen Giraffe beäugt, die Okapis grasen gemütlich am Wegrand, Nilpferde liegen faul in einem kleinen See und zwei Zebras liefern sich ein kleines Wettrennen durch die Savanne. Das wohl eindrücklichste Weihnachtserlebnis für mich ist eine einsame Löwin. Sie lauert ganz still im hohen Gras als wir uns nähern. Ihr Kopf ist ganz dicht am Boden, ihr Hinterteil ragt steil in die Luft. Sie schleicht sich ganz langsam in Richtung eines Wildschwein-Jungen. Plötzlich setzt sie zum Sprung an und verfolgt das kleine Tier. Ihre Bewegungen sind kraftvoll, dynamisch und elegant. Nach der Jagd setzt sie sich zufrieden mit der Beute in den Schatten eines Affenbrotbaumes.

 

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Das Abendessen gibt es in einem Pavillon neben unserem Zelt. Wir sind hier die einzigen Touristen. Der Tisch wurde schon gedeckt und für uns steht ein leckeres, afrikanisches Festmahl bereit. Das kann es auf jeden Fall mit unserem Essen an Heilig Abend in Deutschland (Saitenwürstchen mit Kartoffelsalat)aufnehmen. Jetzt im Dunklen wird mir doch ein bisschen weihnachtlich zumute, als meine Mutter Geschenke von Freunden aus Deutschland für mich auf einen Stuhl drapiert.

 

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Von unserem Gesang werden einige junge Massai-Männer aus dem Dorf angelockt. Erst stehen sie etwas unbeholfen da und beobachten, wie ich meine Geschenke auspacke. Meine Mutter, die am 24. Dezember auch Geburtstag hat, bekommt vom Koch einen kleinen Kuchen geschenkt. Die Massai aus dem Dorf gesellen sich daraufhin zu uns. Sie zeigen uns eine Ihrer Traditionen. Meine Mutter muss jeden in der Runde mit einem kleinen Kuchenstück füttern. Das soll Glück für das nächste Jahr bringen. Danach machen die Massai uns noch ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk. Sie präsentieren uns einige Lieder. Es klingt mehr nach rhythmischem Grunzen. Doch dann singt ein Massai mit einer klaren, hohen Kopfstimme eine romantische Melodie über den begleitenden Klangteppich. Dabei vollführen sie kleine Tänze und auch die typischen Massai-Sprünge. In ihren Stämmen gilt der als der Stärkste, der am höchsten aus dem Stand springen kann. Gerührt singen auch wir Ihnen zum Ausklang des Abends ein deutsches Weihnachtslied vor. Wer hätte gedacht wie anders Weihnachten in Tansania doch sein kann. Anders, aber mindestens genauso schön wie in Deutschland!

 

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Massai singen Weihnachtsständchen

 

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Geburtstagsritual in Tansania

     
     

Von Charlotte Oelschlegel

 

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