Neues Musiktheater aus Karlsruhe
kuratiert von Dr. Achim Heidenreich
Fachgruppe Komposition, Musiktheorie, Musikpädagogik und Musikwissenschaft

Neues Musiktheater I

Marton Illés: Scene Polidimensionali, Szenische (Kammer)Musik

Gespräch mit Marton Illés und Achim Heidenreich

„Seit Jahren stelle ich immer wieder fest, dass meine intimsten musikalischen Gedanken zumeist in ein paar musikalischen Linien erscheinen, die einzeln oder gleichzeitig und in verschiedenen Gruppierungen und formalen Kombinationen auftreten. Diese linearen Ereignisse behalten ihre eigenen Spannungsabläufe, ihre musikalische Identität – sind also als gleichzeitig auftretende Individuen präsent.“ (Marton Illés)
Der 1975 in Budapest geborene Márton Illés betont gern die Selbständigkeit der linearen Figuren in seinen Werken. Jede dieser Linien hat ihre eigene Geschwindigkeit, ihren eigenen Puls, so dass ein gemeinsames Temporaster eigentlich gar nicht möglich ist. Die individuellen Texturen verbindet eher eine vom Komponisten hergestellte Gleichzeitigkeit als ein traditionelles Zusammenspiel. Mit diesem ungewöhnlichen Ansatz hat Illés vor allem in seinem groß angelegten Zyklus der „Scene Polidimensionali“, der „Polydimensionalen Szenen“ gearbeitet. Oft verraten dabei schon die Untertitel, welch wichtige Rolle dabei den linearen Strukturen zukommt: „Zerbröckelte Linien“, „Farbige Linien“, „Linienfelder“ oder „Linienräume“. Dieser extreme lineare Kontrapunkt wird jedoch immer wieder von gesetzten Zäsuren oder Verdichtungen aufgebrochen. Das wirkt klanglich keineswegs spröde oder brüchig, sondern vielfarbig und oft geradezu opulent.
Als „Szenische Kammermusik“ bezeichnet Márton Illés einige seiner Werke.
Szenisch ist dabei die Interaktion der verschiedenen Beteiligten, aber auch die Interaktion in der Musik selbst. Die verschiedenen Ereignisschichten verhalten sich zueinander wie Personen eines Dramas.

Der Wandel der gemessenen Zeit, die Sprünge und Brüche in ihr werden zur Treibkraft und Regieinstanz des musikalischen Spiels.

Dienstag | 19.11.2013 | CampusOne – Schloss Gottesaue | Hörsaal | 18.30 Uhr

Neues Musiktheater II

Markus Hechtle: Minotaurus (nach der gleichnamigen Ballade von Friedrich
Dürrenmatt) UA ECLAT Festival für neue Musik, Stuttgart, 2013

Gespräch mit Markus Hechtle und Achim Heidenreich

In zahlreichen Begegnungen haben der Komponist Markus Hechtle und der Regisseur Thierry Bruehl eine Konzeption entwickelt, die aus Friedrich Dürrenmatts Ballade ein Musiktheater macht, das eine Begegnung zwischen Musik und Sprache, zwischen Klang und Schauspiel sein wird. Markus Hechtle arbeitet seit vielen Jahren daran, diese Parabel in eine musikalische Form zu setzen, ohne den Text zu kürzen oder in irgendeiner Weise kompositorisch zu manipulieren.
Es geht hierbei nicht um Vertonung, sondern um die Ausschöpfung eines Raumes, in welchem die Mehrdeutigkeit der Ballade kompositorische Gestalt annimmt.
Dieser Raum ist zugleich auch Theaterbühne – der Ort, auf dem der Erzähler verschiedene Stadien des Irrens und Orientierens durchlebt: „...denn jeder Versuch, die Welt, in der man lebt, in den Griff zu bekommen, sie zu gestalten, stellt den Versuch dar, eine Gegenwelt zu erschaffen, in der sich die Welt, die man gestalten will, verfängt”. (Friedrich Dürrenmatt)
Die Weite des großen Theaterraums wird zum symbolischen Labyrinth.
Dieses Labyrinth steht zentral im Vordergrund. Dahinter agieren die Instrumentalisten des Ensemble Modern.

Dienstag | 10.12.2013 | CampusOne –Schloss Gottesaue | Hörsaal | 18.30 Uhr

 

Neues Musiktheater III

Wolfgang Rihm: Dionysos | Eine Opernphantasie nach Texten von Friedrich Nietzsche
Libretto vom Komponisten, UA Salzburg 2011 mit Wolfgang Rihm, Bettina Ehrhardt (Filmkünstlerin) und Achim Heidenreich

In der Veranstaltung wird der Film „Ich bin dein Labyrinth. Wolfgang Rihm. Nietzsche. Dionysos“ von Bettina Ehrhardt gezeigt. Nach dem Künstlergespräch dann Dionysos in der Salzburger Inszenierung ganz (ca. 2 Stunden).

„Die Gedankenwelt des Spätwerks von Friedrich Nietzsche hat Wolfgang Rihm schon immer fasziniert – und hier besonders dessen Dionysos-Dithyramben, an deren visionärer Kraft sich seine Kreativität entzündet hat.
Nietzsche hielt sich für Dionysos, unterschrieb gar seine Briefe mit dessen Namen, glaubte an seine weltverändernde, heilbringende Mission.
Nietzsche wähnt sich stark wie Dionysos. „Er überblendete sich mit ihm“, sagt Rihm. Sie verschmolzen zu einer Person, quasi doppelt belichtet.
So könnte man in „N“, der Hauptfigur des Dionysos, den Dichter sehen.
Einzelne Szenen erwecken auch Assoziationen an dessen Leben: eine Fahrt über den Vierwaldstätter See, eine Szene in einem Freudenhaus, die berühmte Szene mit dem Pferd auf dem Turiner Marktplatz. Und doch ist Dionysos keine Nietzsche-Biografie. Diese Opernphantasie ist vielmehr ein Spiel auf vielen Ebenen: Ein Spiel mit dem Opern-Genre an sich. Aber auch eine spielerische Auseinandersetzung, was der Dionysos-Mythos in sich ist und uns heute bedeuten könnte." (Wolfgang Schaufler)

Dienstag | 21.1.2014 | CampusOne –Schloss Gottesaue | Hörsaal | 18.30 Uhr

 

 

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