Meisterkurs von Hilde Zadek


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Alle Sänger, die je Gelegenheit hatten, mit der Kammersängerin Hilde Zadek zu arbeiten, werden diese Zeit als ein Erlebnis bezeichnen. Und so erging es auch uns in den vier Tagen Anfang November 2004, die wir mit ihr verbringen durften.

Von Anfang an war klar, dass sie uns mit ihren jugendlichen Mitte Achtzig, was Temperament und Energie anging, absolut in die Tasche stecken würde. Allmorgendlich fand sie sich blendend gelaunt in der Opernschule ein, um uns etwas von ihrem Reichtum an Erfahrung und Können zu schenken und uns damit vielleicht dem Traum vom Singen etwas näher zu bringen. Wenn aber irgend etwas ihre jahrzehntelange Erfahrung als Sängerin und Lehrerin noch in den Schatten stellen kann, so sind es wohl ihre unglaubliche Geduld, ihre Begeisterung und ihre Liebe sowohl zur Musik, als auch zu den jungen Sängern, die ihr Bestes tun, um den hohen Ansprüchen wenigstens annähernd gerecht zu werden.

Dass zum Singen mehr gehört als nur ein wohlklingendes Organ und etwas Theorie war wohl den meisten unter uns klar. Trotzdem mag die Eindringlichkeit von Hilde Zadeks Appellen unsere Sinne besonders geschärft haben für das, was allgemein als „Handwerkszeug“ bezeichnet wird. Und eben Voraussetzung ist für eine Interpretation, die Stück, Figur und Epoche gerecht wird. Neben den vielen Was - Wo? Wie? Warum? Wann? etc. - ging es um die Sprache, von der alles ausgehe, so daß man sich folglich auch zuerst mit dem Text zu beschäftigen habe. Und wenn man dann weiss, wer man ist und wo man sich wann und warum befindet, was man anhat und ob es Tag oder Nacht ist, wenn man seinen Text kennt und den dazu gehörigen Subtext - dann erst geht es ans Singen.

Von 10 bis 11 gab es jeweils eine kollektive Technikstunde (die auch Teile der Opernschulleitung besuchten und Konsonanten spuckten bis die Zwerchfelle hüpften), in der es hauptsächlich darum ging, uns zu aktivieren, den Körper resonnieren zu lassen und dabei den Atem so effizient wie möglich zu nutzen. Danach wurde einzeln gearbeitet, während ein Großteil der Kursteilnehmer zusah und -hörte und mitunter näher an eigene Probleme heranrückte als aktiv im Unterricht.

Die Frage bei Kursen dieser Art ist immer wieder: was kann man in vier Tagen mit jungen Musikern erreichen, die vielleicht auch erst einige Zeit brauchen, sich mit der Art des Unterrichts und der Person der Lehrenden vertraut zu machen? Natürlich wird man in solch einer kurzen Zeit niemanden umkrempeln können. Aber nicht selten helfen ein fremdes Augen- und Ohrenpaar, nützliche Kritik zu üben und Anregungen zu geben - noch dazu wenn sie einer großen Künstlerin und Lehrerin wie Hilde Zadek gehören, die ebenso streng wie humor- und liebevoll ihr Wissen und ihre Erfahrung an die nächsten Generationen weitergibt und dies hoffentlich noch sehr lang tun wird.

(Ein Rückblick von Anne-May Krüger, März 2005)

 

 


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