Karlsruhe:
Antenne 104.8 MHz
Kabel 100.2 MHz

Nicole Dantrimont
Absolventin des 5. Jahrgangs

 
WindowsMedia-Datei HörProbe
 

"Das Auge hört mit - Konzert kontra Konserve
(Ausschnitt aus der Diplomarbeit)

 

 

Als ich dieser Tage in München über den Marienplatz spazierte, rempelte mich von hinten ein Herr an. Erschrocken drehte ich mich um, und mir entfuhr ein barsches „Eeh! Können Sie denn nicht aufpassen!“ Festen Schrittes wollte ich meinen Weg fortsetzen, als der Herr mir nachrief: „Entschuldigung, kennen wir uns nicht?“ „Plumpe Anmache!“ ging es mir durch den Kopf. Aber dabei fiel mir auf, dass jener Herr, ich nenne ihn hier der Einfachheit halber XY, mir irgendwie bekannt vorkam. Ich blieb also stehen und ließ mich in ein Gespräch verwickeln. Und dieses habe ich hier wahrheitsgetreu niedergeschrieben – ganz ohne zu flunkern, bestimmt!

XY Haben wir uns nicht schon mal irgendwo gesehen? Wie heißen Sie denn?
ND Nicole Dantrimont
XY Schöner Name, aber nicht spektakulär! Ihr Vater ist also Franzose?  
ND Knapp daneben! - Ein Rudiment aus der Hugenottenzeit - zumindest der Nachname. Ich bin waschechte Pfälzerin, der man die Herkunft rein sprachlich gesehen glücklicherweise nicht anmerkt.
XY Hugenotten, verstehe. Dürfte ich Sie nach Ihrem Geburtsdatum fragen? 
ND Kein Problem, ich bin von Sternzeichen Steinbock (siehe Foto) - geboren auf den vorletzten Drücker des Jahres 1970.
XY Da muss man ja hoch hinaus - oder?
ND Na ja, wie man’s nimmt! Immerhin bin ich „Tripl-Dipl“ – also ich habe drei Diplome.
XY Beachtlich! Und welcher Art?
ND Nach dem Abitur habe ich zunächst Musik studiert mit Hauptfach Klarinette, in Mannheim und Frankfurt mit den Abschlüssen Diplom-Musiklehrer und Diplom-Orchestermusik. Schon während des Studiums habe ich in verschiedenen Orchestern gespielt - im Orchester des Nationaltheaters Mannheim, im Gürzenichorchester Kölner Philharmoniker und im Sinfonieorchester des Südwestrundfunks Baden-Baden und Freiburg.
XY Ah, Sie sind Musikerin. Wo spielen Sie jetzt?
ND Ich spiele mit Sprache, ääh, ich bin beim Rundfunk. Wissen Sie, ich hatte schon immer ein Faible für’s Radio - schon als Kind. Durch ein Praktikum bei WDR 3 wurde meine Lust geweckt, selbst Radio zu machen. So kam ich über den Umweg Köln zum LernRadio in Karlsruhe. Hier gab’s übrigens das dritte Diplom: Diplom-Rundfunkmusikjournalistin. Jetzt arbeite ich für SWR 2, SWR 4, WDR 3, BR 4 und Deutschlandradio mit Schwerpunkt Klassische Musik.
XY Warum sind Sie denn nicht in ein Orchester gegangen?  
ND Der Beruf des Orchestermusikers ist ein sehr schöner Beruf, der einerseits sehr viel Spaß macht und einem ständig auf Trab hält, mich andererseits aber geistig nicht ausgefüllt hätte.
XY Ah ja, auf dem Selbstverwirklichungstrip! Sie wissen aber, dass die Kultursender die teuersten Programme sind und dabei die niedrigsten Einschaltquoten haben! Haben Sie wenigstens Spezialgebiete?
ND Meine ganz besonderen Vorlieben gelten Interviews, Musiksendungen für Kinder und der Oper.
XY Oh je, Oper im Radio, wer hört sich denn so was an! Machen sie auch mal was Anderes?
ND Klar! Wandern, Radeln, Lesen, Backen, Kochen und Schwimmen – da habe ich meine besten Ideen.

An dieser Stelle schüttelte der Herr verständnislos den Kopf, schaute auf seine Armbanduhr und setzte sich plötzlich in Bewegung. „Meine U-Bahn“, entfuhr es ihm, und er verschwand. Danach ist er mir nicht wieder begegnet, und doch sehe ich täglich Menschen, die ihm ähnlich sind und die im Prinzip die gleichen Fragen stellen.

Na, und wer nach dem Lesen dieser Geschichte noch Zweifel hat, ob diese Begegnung geflunkert war, der wende sich an mich persönlich!

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