Karlsruhe:
Antenne 104.8 MHz
Kabel 100.2 MHz

Susann Krieger
Absolventin des 6. Jahrgangs

 
WindowsMedia-Datei HörProbe
 

"Die wilden Jahre in Berlin"
von Birgit Haustedt


 

Ick sitze inne Küche und esse Klops
Uff eenmal klops
Ick kieke staune wundre mir
Uff eenmal jehtse uff die Tür
Nanu denk ick ick denk nanu
Jetz isse uff erst warse zu
Ick jehe raus und kieke
Und wer steht draußen
Icke

Das waren die Worte, die mir in die Wiege gelegt wurden. Ich saß jahrelang in der elterlichen Küche und aß viel Klops, bis es mir eines Tages zuviel wurde und ich ins Sachsenland auswanderte.

Von Berlin nach Dresden. Von einer Hauptstadt in die nächste Hauptstadt. Mit dem Zug in weniger als zwei Stunden zu erreichen. Diesen Weg habe ich innerhalb von fünf Jahren nicht weniger als tausendmal absolviert, um festzustellen, dass ich bei den Sachsen zwar viel gelernt habe, zum Beispiel, dass ich um keinen Preis die stille und freundliche Dame am Piano für übergeschnappte Sänger werden wollte, obwohl ich diese seltsame Wesen geduldig studiert hatte, nun ja und die sächsische Küche hielt mich auch nicht länger vor Ort.

Ich dachte wieder an Klopse. Dann setzte ich mich in den Zug. Das Ziel war Karlsruhe. Fünf bis sieben Stunden von Dresden. Und von Berlin. Diesen Weg habe ich innerhalb von zwei Jahren nicht weniger als zwanzigmal absolviert, um festzustellen, dass ich bei den Baden-Württembergern zwar viel gelernt habe, zum Beispiel, dass einige von ihnen noch viel unfreundlicher sind als der unfreundlichste Berliner, denn Unfreundlichkeit wird dem Berliner zwar nachgesagt, aber im Grunde sind die meisten Hauptstädtler im Herzen eine Wucht, und nun ja, die badische Küche schmeckt zwar ganz anständig, aber nicht auf Dauer.

Ich dachte wieder an Klopse. Ich werde wohl wieder zurückgehen. Nach Berlin. Wo ich herkomme. Dort verstehen sie mich. Und umgedreht. Als ich auswanderte, hatte ich im übrigen vollkommen andere Träume als jetzt. Aber ich habe immer noch welche. Ich würde gern berühmt werden, vielen Radiosendern meine Stimme schenken, um den noch zahlreicheren Menschen von meinem ureigensten Sinn des Lebens zu referieren. Ich will in Zukunft nur noch eigene Klopse essen. Vielleicht ist mir das Glück gewogen.

 

 

       
       
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